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LEISTENBRUCH

Eine der zahlreichsten zur Operation führenden Diagnosen ist der Leistenbruch, fast jeder zweite Mann erkrankt im Laufe seines Lebens daran. Noch zu Beginn der 90er Jahre war mit einer Rezidivrate von 15% zu rechnen, die postoperative „Schonzeit“ war mit drei Monaten verhältnismäßig sehr lange anberaumt. Durch den Einsatz von neuen Operationstechniken, die in erster Linie durch die Verwendung eines kleinen Kunststoffnetzes eine wesentliche Verstärkung der Leistenregion hervorrufen, konnte eine deutliche Verbesserung dieses Ergebnisses erzielt werden.

Diagnose

Männer erkranken im Vergleich zu Frauen, bedingt durch die unterschiedliche Anatomie der beiden Geschlechter, zehnmal häufiger an einem Leistenbruch. Ursächlich ist in der Leiste für den Durchtritt von Samenleiter und Blutgefäße für den Hoden ein Kanal erforderlich, der oftmals als Schwachstelle für das Auftreten von Leistenbrüchen verantwortlich ist. Beim Heben kommt es zum Einreißen der Muskulatur im Leistenbereich, wodurch sich eine Lücke bildet (Abb.1) und zum Vorwölben der Baucheingeweide führen kann (Abb. 2).


Abb. 1: Darstellung einer ca. 3 cm großen Leistenbruchlücke



Abb. 2: Vorwölbung des Darmes in die Bruchpforte


Anfänglich ist der Bauchwandbruch sehr klein und nur schwer erkennbar (Abb. 3).


Abb. 3: Kleine rechtsseitige Leistenhernie noch schwer erkennbar


Zunehmend wird er aber vor allem beim Husten oder Pressen deutlich erkennbar und wird mit der Zeit größer und schmerzhafter. Die Diagnose wird vom Arzt durch die körperliche Untersuchung (Abtasten) gestellt.

Symptome

  • Vorwölbung im Bereich der Leiste
  • Leichter, ziehender Schmerz im Bereich der Leistenregion, der sich beim Abtasten verstärkt. Der Schmerz kann in den Hoden ausstrahlen.
  • Gelegentlich Bauchschmerzen
  • Sind Eingeweide eingeklemmt, treten starke Schmerzen begleitet von Übelkeit und Erbrechen auf.

Therapie

Da sich der Leistenbruch niemals von selbst zurückbildet, sondern kontinuierlich größer wird, sollte jeder Leistenbruch operiert werden. Nur so kann eine mögliche Einklemmung (z.B. von Dünndarm, Dickdarm) vermieden werden. Mit modernen, schonenden Operationsverfahren kann der Leistenbruch im Bedarfsfall auch in lokaler Betäubung operiert werden, sodass selbst bei Risikopatienten die Operation der Versorgung mittels Bruchband vorzuziehen ist.

Zur Wahl stehen im Wesentlichen folgende Operationstechniken:

  • Laparoskopische Kunststoffverstärkung

Bei dieser schonenden, minimal invasiven Operationstechnik werden lediglich wenige Millimeter kleine Hautschnitte im Nabelbereich bzw. links und rechts davon benötigt (Abb.4).


Abb. 4: Kleinste Hautschnitte von wenigen Millimetern

 

Über diese wird unter Einbringung von Gas (CO2) die Bauchdecke gehoben und die Abdominalhöhle inspiziert (Laparoskopie = Bauchspiegelung). Dabei kann vor allem die gegenüberliegende Leistenregion betrachtet und gegebenenfalls beim Vorliegen eines beiderseitigen Leistenbruches ebenfalls operativ versorgt werden (Abb. 5).

Abb. 5: Laparoskopisch gut erkennbarer Leistenbruch beidseits


Anschließend wird die Leiste freipräpariert (Abb.6) und der netzförmige Kunststoff eingebracht (Abb. 7).


Abb. 6: Laparoskopische Sicht auf die freipräparierte Leiste mit der Bauchdeckenmuskulatur, den Blutgefäßen und dem Samenstrang der Leistenregion. Die Bruchpforte ist deutlich zu erkennen.

 


Abb. 7: Über die Lücke (als weißer Kreis markiert) wird ein selbsthaftender Kunststoff gelegt


Moderne Kunststoffe verankern sich durch kleinste resorbierbare Häkchen im Gewebe (funktioniert wie bei einem Klettverschluss) (Abb. 8), zusätzliche Fixierungen des Kunststoffes mit Klammern sind nicht mehr erforderlich. Am Operationsende wird das CO2 abgelassen und die kleinen Schnitte der Bauchdecke werden vernäht.

Abb. 8: An der Unterseite des Kunststoffnetzes befinden sich kleinste Häkchen aus Polymilchsäure, die sich nach ca. 1 Jahr völlig aufgelöst haben


Nach der Operation ist der Spitalsaufenthalt auf ein bis zwei Tage anberaumt. Durch das rasche Einwachsen des Kunststoffes sind Belastungen bereits nach ca. einer Woche unbedenklich möglich. Dadurch empfiehlt sich dieses Verfahren auch besonders für Spitzensportler und beruflich und sportlich aktive Patienten.

  • Offene Kunststoffverstärkung (Lichtenstein)

Diese nach seinem Erfinder I.L. Lichtenstein benannte Operationstechnik hat durch die Kunststoffverstärkung ebenso hervorragende Ergebnisse. Bei diesem Operationsverfahren wird der Kunststoff mit einer direkten Inzision in die Leiste eingebracht. Hierfür werden die Bauchdeckenschichten sorgsam dargestellt und anschließend wird das Netz zwischen den Bauchdeckenmuskeln mit Nähten eingenäht (Abb.9).


Abb. 9: Einnähung des Netzes in die Bauchmuskelschichten. Deutlich zu erkennen ist die Verstärkung durch den Kunststoffrund um den Samenleiter.


Diese Technik ist vor allem bei sehr großen Hernien geeignet, bei denen sich der Bruch bis in den Hodensack vorwölbt. Weiters eignet sich dieses Operationsverfahren für Risikopatienten, da diese Operation auch in lokaler Betäubung oder mit einem „Kreuzstich“ ohne Allgemeinnarkose durchgeführt werden kann. Bezüglich Schonung sollten Patienten nach dieser Operation ca. 3 – 4 Wochen das Heben und Tragen schwerer Lasten sowie die intensive Sportausübung vermeiden.

  • Nahttechnik

Bei diesen Operationsmethoden sind vor allem zwei Nahttechniken als wichtigste Vertreter hervorzuheben, nämlich die Technik nach Bassini bzw. nach Shouldice. In beiden Fällen wird die Lücke in der Leistenregion mit Nähten verschlossen (Abb.10), wodurch in den Verankerungspunkten der Nähte starke Zugkräfte entstehen. Als Folge ergeben sich für den Patienten vermehrt postoperative Schmerzen und auch das wesentlich häufigere Neuauftreten eines Bruches ist zu erwarten. Zusätzlich sind postoperative Schonfristen von 4 bis 6 Wochen empfehlenswert.


Abb. 10: Nahtverschluss der Leistenbrucklücke mittels Nahttechnik


Zusätzlich gibt es derzeit noch eine Fülle von weiteren Operationsmethoden, welche jedoch nur unwesentlich von den oben dargestellten abweichen und deshalb an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Welche Operationstechnik nun schlussendlich zur Anwendung kommen soll, wird in einem Gespräch zwischen Patient und Chirurg entschieden.

Komplikationen

Obwohl die meisten Leistenbrüche ungefährlich sind, können sie jedoch durch die Einklemmung von Eingeweiden (Inkarzeration) zu einer lebensbedrohlichen Komplikation führen. Dabei wird eine in der Bruchöffnung eingeklemmte Darmschlinge nicht ausreichend durchblutet und stirbt ab. Das ist äußerst schmerzhaft und muss innerhalb von sechs Stunden operiert werden.

Bei der Operation kann es zu Verletzungen von Gefäßen und Nervensträngen sowie von Eingeweiden kommen; diese Komplikationen sind jedoch mit einer Rate von unter 0,1% sehr selten. Ebenso sind Beeinträchtigungen des Samenleiters oder von Hodengefäßen möglich, wodurch eine Verkleinerung des Hodens entstehen kann (ebenfalls mit unter 0,1% sehr selten). Bei der Verwendung von Kunststoffen ist eine Unverträglichkeitsreaktion nicht bekannt, Infektionen können jedoch in 1 – 2% der Fälle auftreten. Diese sind in der Regel gut mit Antibiotika beherrschbar, gelegentlich erfordern sie jedoch die Entfernung des Kunststoffes.

Prognose

Bei der Verwendung von Kunststoffen ist lediglich in ca. 1 % aller Fälle mit einem erneuten Bruch zu rechnen, ohne Kunststoffverstärkung ist diese Rate deutlich höher. Tritt dieser Fall ein, muss neuerlich operiert werden. Bei diesen Reeingriffen ist in erster Linie die laparoskopische Technik anzuwenden, da durch die Verwendung des Kunststoffes eine wesentliche Verstärkung der schwachen Leiste erfolgt und ein neuerlicher Leistenschnitt vermieden wird.
Chronische Schmerzen nach einer Leistenbruchoperation sind durch Ziehen in der Leiste gekennzeichnet, werden jedoch bei allen Techniken mit einer Häufigkeit von unter 2% kaum angetroffen.

 



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